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Der
Bau der kommunalen Stadtmauer begann nordöstlich der Stadt, wo
1064 auf den Überresten einer etruskischen Kultstätte die neue
Kathedrale errichtet wurde. Im ersten Abschnitt der Mauer öffnete
sich zwischen den Türmen von Santa Maria und dem Löwen die große
Porta del Leone (Löwentor), deren Name von der Statue herrührt,
die über ihr emporragt. Nach dem Bau der Porta Nuova (Neues Tor)
durch die Medici, die den üblichen heutigen Zugang zum Domplatz
darstellt, wurde das Löwentor jedoch geschlossen.
Der
der Hl. Maria geweihte Dom ist ein Meisterwerk der romanischen
Architektur, in dem klassizistische, spätantike, byzantinische
sowie lombardisch-emilianische Stilelemente verschmelzen. Sie
geben Zeugnis von der kulturellen Blüte Pisas zur damaligen Zeit
und von den komplexen Fähigkeiten des Domarchitekten Buscheto.
Der Dom wurde 1118 geweiht und in der ersten Hälfte des 12.
Jahrhunderts von Rainaldo erweitert, dem auch der untere Teil der
Fassade zu verdanken ist. Er wurde später von den Werkstätten
Guglielmos und Biduinos vollendet. Das schneeweiße, großartige
Bauwerk, in Form eines lateinischen Kreuzes gebaut, mit Querschiff
und eiförmiger Kuppel, weist eine reiche Dekoration auf, vor
allem an der Fassade, die von vier Zwerggalerien gekennzeichnet
und mit Skulpturen und Einlegearbeiten verziert ist. Auf dem
Mittelgiebel thront die Statue der Madonna col Bambino (Madonna
mit Kind) von Andrea Pisano. Bemerkenswert ist die Bronzetür des
Hl. Ranieri gegenüber dem Schiefen Turm, die 1180 von Bonanno
Pisano geschaffen wurde und 24 Szenen aus dem Neuen Testament
darstellt. Im Inneren der Kathedrale, das reich an Werken und
Dekorationen aus verschiedenen Epochen ist, sticht in der
Halbkuppel der Apsis das große Mosaik mit dem Erlöser zwischen
Maria und dem Hl. Johannes dem Evangelisten hervor. Letzterer
wurde zum Teil von Cimabue ausgeführt
(1302). Bemerkenswert ist die Kanzel von Giovanni Pisano
(1301-1311), die wegen ihrer komplexen und erlesenen
architektonischen Struktur und der dramatischen plastischen Fülle,
mit welcher der Künstler Szenen aus dem Leben Jesu, Propheten,
Sybillen und allegorische Figuren darstellte, zu den Meisterwerken
der gotischen Kunst zählt. Von den zahlreichen mittelalterlichen
Gräbern sind heute nur noch einige Teile des Grabmahls von
Heinrich VII. übriggeblieben, das ursprünglich in der Mitte der
Apsis stand und von Tino di Camaino aus Siena (1313-1315)
geschaffen wurde. Es sollte die Treue der Stadt gegenüber dem
deutschen Kaiser beweisen.
Der
Glockenturm, der berühmte Schiefe Turm, wurde 1173 begonnen.
Schon bald aber mussten die Arbeiten eingestellt werden, da der
Boden nachgegeben hatte und der Turm sich zu neigen begann. Die
Arbeiten wurden ein Jahrhundert später unter der Leitung von
Giovanni di Simone und möglicherweise von Giovanni Pisano
wiederaufgenommen. Um die Neigung zu korrigieren, fügten sie drei
weitere Stockwerke in entgegengesetzter Richtung zur Neigung hinzu.
Die Glockenstube wurde schließlich zwischen 1350 und 1372 von
Tommaso Pisano aufgesetzt.
Genauso
lang und schwierig war der Bau der Taufkapelle, die 1152 aus
Marmor, auf rundem Grundriss nach dem Vorbild der Anastasis des
Heiligen Grabes in Jerusalem von Diotisalvi begonnen wurde. Nach
einer langen Unterbrechung wurden die Arbeiten in der zweiten Hälfte
des 13. Jahrhunderts unter der Leitung von Nicola und Giovanni
Pisano wiederaufgenommen. Ihnen sind auch die kleinen, mit Giebeln
und großen Büsten dekorierten Bögen im zweiten Stockwerk zu
verdanken. Die originelle Kuppel wurde ab 1358 von Cellino di Nese
und dem Bologneser Meister Zibellino gebaut. Im Inneren bestechen
das wertvolle Taufbecken von Guido Bigarelli da Como (1246), der
Altar mit seinen Einlegearbeiten und die Kanzel von Nicola Pisano
aus dem Jahr 1260, die Szenen aus dem Leben Jesu darstellt und
deren klassizistische Reliefs die Erneuerung der italienischen
Bildhauerkunst einleiteten.
Wie
eine Kulisse steht der schneeweiße Camposanto, der monumentale
Friedhof mit seinen Blendarkaden und strengen Kopfplastiken, vor
den Augen des Besuchers. Er wurde von Giovanni di Simone 1277
begonnen und im Laufe des 16. Jahrhunderts vollendet. Diese antike
Begräbnisstätte beherbergt noch heute wichtige spätantike
Sarkophage, die im Mittelalter als Gräber benutzt wurden und
anfangs rings um den Dom aufgestellt waren. Ursprünglich waren
die Wände dieses Bauwerks mit Fresken geschmückt, die während
des zweiten Weltkriegs schwere Schäden erlitten. Sie wurden nach
dem Krieg von den Wänden abgenommen und restauriert. Der berühmteste
Freskenzyklus stellt Episoden vom Triumph des Todes, aus dem Jüngsten
Gericht und dem Leben der Hl. Eremiten dar, die vom Florentiner
Buonamico Buffalmacco in der zweiten Hälfe des 14. Jahrhunderts
ausgeführt wurden. Mit Unterbrechungen wurden im südlichen Teil
die Geschichten Hiobs (1342) von Taddeo Gaddi, die Geschichten des
Hl. Ranieri (1348-86) von Antonio Veneziano und die Geschichten
der Hl. Efisio und Potito (1390-91) von Spinello Aretino ausgeführt.
Der nördliche Teil wurde von Piero di Puccio mit Gechichten der
Genesis (1389-91) geschmückt, die in der Cappella dal Pozzo zur
Schau gestellt sind. Die Dekoration dieses letzteren Teils wurde
zwischen 1468 und 1483 von Benozzo Gozzoli vollendet
mit Geschichten zum Alten Testament, während der östliche
Teil zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert mit Fresken bemalt wurde.
Die
Besichtigung des Camposanto setzt sich im Sinopienmuseum fort, das
1980 in der Pilgerherberge des mittelalterlichen Spedale Nuovo (Neues
Spital) untergebracht wurde. Das Krankenhaus wurde 1258 von
Giovanni di Simone erbaut, um den Kirchenbann, mit welchem Pisa
1241 belegt wurde, zu sühnen. Im Museum sind die Vorzeichnungen
der Fresken des Camposanto ausgestellt, die auf dem Rauputz ausgeführt
wurden und nach der Ablösung der Fresken zum Vorschein kamen. Es
handelt sich hierbei um die größte bestehende Sammlung
mittelalterlicher Graphiken.
Die
Besichtigung dieses einzigartigen Platzes, den der Dichter
D'Annunzio als Platz der Wunder bezeichnete, endet im Dombauhüttenmuseum,
das 1986 im alten Kanonikerpalast untergebracht
wurde und in dem Werke der verschiedensten Epochen aus den
bereits besichtigten Bauwerken aufbewahrt werden. Sehenswert ist
die reiche Sammlung an Bildhauerarbeiten, die von berühmten Künstlern,
wie Nicola und Giovanni Pisano, Tino di Camaino und Nino Pisano,
gefertigt wurden. Bemerkenswert ist der berühmte Greif aus
Bronze, ein Meisterwerk der islamischen Kunst aus dem 11.
Jahrhundert, und zwei wertvolle Exultete, lange, mit Miniaturen
ausgeschmückte Pergamentschriftrollen aus dem 12. und 13.
Jahrhundert. Genauso reich und wertvoll ist der "Kathedralenschatz"
mit der berühmten Madonna con Bambino (Madonna mit Kind), einer
kleinen Skulptur aus Elfenbein von Giovanni Pisano, die für den
Hochaltar des Doms (1298) bestimmt war, und weitere wertvolle
Werke der Goldschmiedekunst.
Die
Straße Santa Maria verbindet das religiöse Zentrum mit dem Arno
nahe des Pontenovo, der im 14. Jahrhundert zerstört wurde. Bei
einem Spaziergang durch die Via Santa Maria kann man interessante
Paläste bewundern mit Fassaden aus dem 16. und 17. Jahrhundert,
an denen noch heute mittelalterliche Strukturen erkennbar sind,
sowie zahlreiche Geschlechtertürme und den Palazzo da Scorno aus
dem 14. Jahrhundert mit einer kleinen Loggia und einem
Figurenkapitell aus dem 12. Jahrhundert. Fast am Ende der Straße
befindet sich die Augustinerkirche San Nicola, die um die Hälfte
des 12. Jahrhunderts erbaut und später erweitert und umgestaltet
wurde. Das Innere der Kirche beherbergt bedeutende Werke aus dem
14. Jahrhundert, wie das Gemälde der Madonna con Bambino des
Pisaner Künstlers Francesco Traini, ein buntes Holzkruzifix, das
Giovanni Pisano zugeschrieben wird, und eine Annunciata (Verkündigung)
von Nino Pisano sowie das Gemälde San Nicola da Tolentino mit
einer der ersten Ansichten von Pisa. Interessant ist der
eigenartige achteckige Glockenturm, der nach den komplizierten
arithmetischen Entdeckungen des Mathematikers Leonardo Fibonacci
(12.Jahrhundert) gebaut wurde. Die Kirche ist durch eine überdachte
Brücke mit dem Königlichen Palast verbunden, der nach dem Willen
des Großherzogs Francesco I. der Medici (1583-1588) gebaut wurde.
Dabei wurden einige mittelalterliche Türme, wie der Torre del
Cantone, mit einbezogen. Der Palast beherbergt heute das Museo
Nazionale di Palazzo Reale (Nationalmuseum des Königlichen
Palastes), ein Museum der Pisanischen Sammlungen und historischen
Gewänder. Eine zweite überdachte Brücke verbindet das Museum
mit dem Palazzo delle Vedove (Witwenpalast), einem
mittelalterlichen Bauwerk, das im 17. Jahrhundert für die Witwen
der Großherzöge umgebaut wurde. Am Ende der gewundenen Via Santa
Maria genießt man einen herrlichen Blick auf die Arnopromenaden,
die jahrtausendelang den Kern der Stadt bildeten. Dies beweisen
noch heute die einfachen Paläste, die den wichtigsten Familien
Pisas gehörten. Das jetzige Bild ist das Ergebnis der
Umgestaltungen im 19. Jahrhundert, bei denen die Ufer von
Umschlagplätzen und Kais, den einstmals wesentlichen
Bestandteilen des pisanischen Hafens, befreit wurden.
Vorbei
am Königlichen Palast überquert man den Platz Francesco Carrara,
den mittelalterlichen Platz der Überseewaren, und von der Via del
Collegio Ricci aus erreicht man die luftige Piazza Dante. Von dort
aus biegt man nach links in die Via San Frediano ein und erreicht
die Kirche San Frediano, die zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert
im romanisch-pisanischen Stil erbaut wurde. Im Inneren der Kirche
ist ein wertvolles buntes Holzkruzifix aus der zweiten Hälfte des
12. Jahrhunderts zu sehen. Fast gegenüber des Kirchplatzes
beginnt die malerische Via Cavalca mit dem Torre dei Caciaioli (Turm
der Käsehändler) aus dem 13. Jahrhundert, der auch unter dem
Namen Torre del Campano bekannt ist. Dieser Name ist auf die
Glocke zurückzuführen, die im 18. Jahrhundert in den Turm
eingebaut wurde, um die Vorlesungen an der Universität einzuläuten.
Die berühmte Universität von Pisa geht auf das 12. Jahrhundert
zurück. Erst 1543 ließ Cosimo I. den schönen Palazzo della
Sapienza (Palast des Wissens) auf der mittelalterlichen Piazza del
Grano (Weizenplatz) errichten. Von hier aus führt uns unser
Spaziergang weiter durch die eindrucksvolle Piazza Sant'Omobono,
wo man alten Geschlechtertürmen begegnet. Mit ihrer senkrecht
emporragenden Gestalt kennzeichneten sie die mittelalterliche
Stadt, in der es, gemäß der Erzählungen des Rabbiners Benjamin
von Jona von Tuleda, im Jahr 1159 fast zehntausend Türme gegeben
haben soll. Man spaziert durch die Stände, die Obst, Gemüse und
typische Produkte der pisanischen Küche verkaufen und erreicht
die Piazza delle Vettovaglie (Platz der Lebensmittelversorgung),
die alte Piazza dei Porci (Schweineplatz), die von einem eleganten
Laubengang aus dem 16. Jahrhundert umgeben ist. Durch die enge und
meist vollgedrängte Via delle Colonne kommt man zum Borgo
Stretto, eine der eindrucksvollsten Straßen der Stadt mit ihren
typischen Arkaden und eleganten Geschäften. Rechterhand des
Laubenganges steht die Kirche San Michele in Borgo, die zwischen
dem 10. und 11. Jahrhundert erbaut und Anfang des 14. Jahrhunderts
erweitert wurde. Die Fassade mit ihren in drei Stockwerken
angeordneten kleinen Arkaden hat drei Portale. Über dem mittleren
hängt ein Tabernakel mit den Statuen der Madonna mit Kind und Gläubigen
aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, das aus der Werkstatt
des Pisaners Lupo di Francesco stammt. Die eigenartigen
Inschriften an der Fassade beziehen sich auf die Wahl des Rektors
der Universität Ende des 16. Jahrhunderts. Im Inneren ist ein
wertvolles Kruzifix von Nino Pisano, das ursprünglich das Portal
des Camposanto schmückte, zu sehen. Am Ende des Borgo Stretto
gelangt man zur Piazza Garibaldi und zur Ponte di Mezzo, der
Hauptbrücke der Stadt, die schon 1019 erwähnt und mehrmals
rekonstruiert wurde. Sie ist alljährlich am letzten Sonntag im
Juni Austragungsort des antiken Brückenspiels (Gioco del Ponte).
Vom
Lungarno Mediceo aus erreicht man die Piazza Fratelli Cairoli, die
auch als Piazza della Berlina (Prangerplatz) bekannt ist, weil
hier im Mittelalter die kleineren Übeltäter an den Pranger
gestellt wurden. Im Mittelalter hieß der Platz auch Piazza delle
Erbe (Kräuterplatz) wegen des Gemüsemarktes, der hier stattfand.
Sein heutiges Aussehen mit Arkaden und der zentralen Statua
dell'Abbondanza (Statue der allegorischen Fülle), die von Pierino
da Vinci im Jahr 1550 ausgeführt wurde, verdankt der Platz den
Umgestaltungen der Medici. Auf seiner nördlichen Seite wird er
von der alten Kirche San Pietro in Vinculis begrenzt, die auch San
Pierino genannt wird und zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert
erbaut wurde. Ihr Glockenturm geht auf einen bürgerlichen Turm
aus dem 11. Jahrhundert zurück. San Pietro in Vinculis ist ein
schönes Beispiel einer Loggienförmigen Kirche und enthält im
Inneren bedeutende Werke aus dem 13. Jahrhundert, darunter ein
Kruzifix, Überreste von Fresken (einige sind im Nationalmuseum
San Matteo ausgestellt) und einen Teil des wertvollen Mosaikfußbodens.
Rechts von der Kirche beginnt die eindrucksvolle Via delle Belle
Torri mit ihren zahlreichen Geschlechtertürmen. Linkerhand der
Kirche, von der Via Palestro aus, kommt man zur Kirche
Sant'Andrea, die mit vielen Majolikaschüsseln verziert ist. Durch
die Via Giuseppe Verdi erreicht man die Piazza San Paolo all'Orto
mit der gleichnamigen Kirche aus dem 12. Jahrhundert, deren
Fassade Skulpturen von Biduino schmücken. Danach gelangt man in
die Via San Francesco, wo einem sofort das Kloster und die große
Kirche San Francesco (1238) ins Auge fallen, die zwischen 1265 und
1270 von Giovanni di Simone erweitert und im Laufe des 16.
Jahrhunderts umgestaltet wurden. Im Inneren kann man schöne
Fresken aus dem 14. Jahrhundert von Taddeo di Bartolo (1397),
Taddeo Gaddi und Niccolò di Pietro Gerini (1392) bewundern sowie
eine wertvolle Verkleidung des Hochaltars aus vielfarbigem,
vergoldetem Marmor von Tommaso Pisano. Von hier aus geht man
einige Schritte zurück und kommt durch die Vicolo dei Ruschi in
die Via San Lorenzo. Hier befindet sich die von Bäumen umsäumte
Piazza Martiri della Libertà, die nach Abrissarbeiten im 19.
Jahrhundert entstand. Vom ursprünglichen mittelalterlichen
Viertel ist nur noch die Dominikanerkirche Santa Caterina erhalten.
Dieses kulturelle Zentrum wurde ab 1251 erbaut und später
erweitert. Im Inneren enthält sie ein Gemälde mit der Apotheose
von Thomas von Aquin vom Sieneser Lippo Memmi und dem Pisaner
Francesco di Traino sowie das Marmorgrabmahl des Erzbischofs
Saltarelli von Andrea Pisano und seinem Sohn Nino. Letzterer führte
auch die Statuen der Annunziata und des Erzengels Gabriel aus
(1368). Über einen kleinen Umweg erreicht man nun die
eindrucksvolle Kirche San Zeno mit der dazugehörenden
Kamaldulenserabtei, die mit mehreren Unterbrechungen zwischen dem
10. und 12. Jahrhundert erbaut wurde. Von der Piazza S. Caterina
aus führt unser Rundweg über die Via Giosué Carducci und G.
Oberdan, ehemals Borgo Largo, an Geschlechtertürmen vorbei und
durch den eleganten Laubengang des Palazzo Scorzi aus dem 14.
Jahrhundert hindurch zur Via Ulisse Dini, wo heute in den Überresten
der alten Kirche Santi Felice e Regolo eine Bank ihren Sitz hat.
Auf dem gleichnamigen Platz steht der alte Palazzo del Podestà (Palast
des Stadtvogts), später Pfandleihanstalt und heute Sitz
zahlreicher Büros. Die Straße führt zur Piazza dei Cavalieri (Ritterplatz),
dem Kern der Stadt Pisa unter der Herrschaft der Medici. Schon im
Mittelalter verkörperte dieser Platz das Zentrum der politischen
Macht. Hier befand sich der Palazzo degli Anziani (Ältestenpalast
- 13.-14. Jahrhundert), der von Giorgio Vasari in den Palazzo
della Carovana umgewandelt wurde und heute Sitz der Eliteuniversität
Scuola Normale Superiore ist. Daneben erhob sich die Kirche San
Sebastiano dei Fabbri, die im 16. Jahrhundert durch die Kirche
Santo Stefano ersetzt wurde. Auch der typische Palazzo
dell'Orologio (Uhrenpalast) ist das Ergebnis der Verbindung zweier
bestehender Türme: des Torre delle Sette Vie (Turm der sieben
Straßen) (eines der Gefängnisse der Gemeinde) und des Torre
della Muda (Turm der Mauserung), der auch della fame (Hungerturm)
genannt wird, weil hier der Stadthauptmann Graf Ugolino della
Gherardesca (1288) des Verrats angeklagt und mit Kindern und
Enkelkindern verhungert sein soll. So wird es zumindest in den berühmten
Versen von Dante (Die Göttliche Komödie, Hölle XXXIII, 1-90)
beschrieben. Auf diesem Platz wurden dem General der
Florentinischen Truppen, Pier Capponi, im Jahr 1406 die Schlüssel
der Stadt überreicht und damit das Ende der Freiheit Pisas
besiegelt.
Dieser
Stadtspaziergang endet mit einer Besichtigung der naheliegenden
Kirche San Sisto. Sie wurde nach dem Sieg, die in Al-Mahdĭya
und Zawila 1097 davongetragen wurde zum Gedenken an die
wichtigsten Kriegstaten der pisanischen Flotte am 6. August, dem
Tag des Hl. Sixtus, erbaut. Lange Zeit war die Kirche Sitz der
Versammlungen des Volksrates.
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