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Dieser
Rundweg führt durch den Teil der Stadt, der südlich vom Arno
gegründet wurde, ins mittelalterliche Viertel von Chinzica, das
seinen Namen, der auf die schlammige Bodenbeschaffenheit hindeutet,
von den Langobarden erhielt.
Dieser
Stadtteil ist von zahlreichen, regelmäßig angeordneten Parzellen
gekennzeichnet, die von engen, am Fluss entlang verlaufenden
Gassen voneinander getrennt und von der römischen Via Aemilia
Scauri miteinander verbunden werden. Die besondere Struktur ist
ein Spiegel der Hauptaktivitäten im Viertel, das meist von ausländischen
Händlern bewohnt wurde, die hier am Arno, d.h. am direkten Weg
zum Seehafen und der aus Rom kommenden Straße, ihre Werkstätten
und Lagerhäuser hatten. Auch dieser Stadtteil war von Mauern
umgeben, die von der anderen Seite des Flusses über die Brücke
La Spina (1261) zum südwestlichen Stadtteil Porta di S. Marco (Markustor)
führten und später in die Fortezza Nuova (Neue Festung)
einbezogen wurden. Letztere wurde von den Florentinern erbaut, möglicherweise
nach einem Entwurf von Brunelleschi. Nach dieser ersten
Befestigung wurde nach der zweiten Eroberung durch die Florentiner
das imposante Bollwerk zum Schutz gegen die Artillerie von
Giuliano da Sangallo (1512) erbaut. Im 18. Jahrhundert wurde die
Festung schließlich in einen Privatgarten der Familie
Rosselmini-Scotto umgewandelt.
Von
diesem Garten aus kommt man in die Via San Martino mit der
gleichnamigen Kirche, die 1332 auf Geheiß des Grafen Bonifacio
della Gherardesca erbaut wurde. Der große Bau aus Ziegelsteinen
ist an seinen Seitenwänden und der Apsis mit pfeilerartigen
Mauerstreifen, kleinen Bögen und Keramikschüsseln (die
Originalschüsseln befinden sich im Museum San Matteo) verziert
und wurde im 17. Jahrhundert restauriert. Im Inneren birgt er
wertvolle Fresken aus dem 14. Jahrhundert von Giovanni di
Nicola, Antonio Veneziano und Cecco di Pietro. Aus
demselben Jahrhundert stammt das schöne Relief von San Martino e
il Povero (Hl. Martin mit Bettler) von Andrea Pisano, das ursprünglich
an der Fassade angebracht war. Aus der zweiten Hälfte des 13.
Jahrhundert stammt das Kruzifix des Pisaners Enrico di Tedice. Der
Hochaltar enthält die sterbliche Hülle von Santa Bona, der
Schutzpatronin der Stewardessen.
Unser
Spaziergang geht weiter durch die Via San Martino, die von
imposanten Adelspalästen aus dem 16. und 17. Jahrhundert und
alten Geschlechtertürmen flankiert wird. An einem dieser Türme
wurde das Fragment eines römischen Sarkophages eingemauert. Nach
dem Glauben der Pisaner soll in ihm die junge Kinzica de' Sismondi
bestattet worden sein, jene Heldin, die die Stadt im Jahr 1004 vor
einem Angriff der Sarazenen rettete. Am Ende der Via San Martino
gelangt man zur Piazza Gambacorti, und durch die Via S. Bernardo
erreicht man den Corso Italia, im Mittelalter Carraia di San
Gilio, der heute zusammen mit dem Borgo Stretto die
Haupteinkaufsstraße der Stadt bildet. Auf halbem Wege befindet
sich die Kirche Santa Maria del Carmine, die 1325-27 errichtet
wurde und zum Karmeliterkloster gehörte. Sie wurde zwischen dem
16. und 17. Jahrhundert erweitert und umgestaltet. Ihre einstige
Bedeutung bezeugen zahlreiche Meisterwerke, darunter ein Flügelaltar
von Masaccio (1426), der zerlegt und in verschiedene Museen
gebracht wurde. Heute wird in Pisa nur noch San Paolo (Hl. Paulus)
im Museum San Matteo aufbewahrt.
Der
Corso Italia wurde nach dem Bau des Bahnhofs (1862) eine wichtige
Straßenachse und führt durch einen Teil der Stadt, in dem sich
im Mittelalter wichtige religiöse Gebäude befanden. Davon ist
heute nur noch die Struktur des Klosters der Dominikanernonnen
erhalten, wo 1382 die Selige Chiara Gambacorti die erste den
Dominikanerorden befolgende Gemeinschaft gründete. Aus dem
Kloster stammen auch einige Fresken des 15. Jahrhunderts aus der
Schule von Benozzo Gozzoli, die im Museum San Matteo ausgestellt
sind. Die zum Kloster gehörende Kirche wurde im 18. Jahrhundert
umgestaltet und ist mit Stuck, Goldschichten und Gemälden geschmückt.
Man überquert die von Bäumen gesäumte Piazza Vittorio Emanuele
II., die im 19. Jahrhundert öfters umgestaltet wurde, und
erblickt die Kirche Sant'Antonio mit dazugehörendem Kloster, die
im 18. Jahrhundert rekonstruiert und im zweiten Weltkrieg schwer
beschädigt wurde. Von hier aus schlägt man die Via Crispi ein.
Am Arno angekommen, geht man den Lungarno Sonnino entlang und
kommt am ehemaligen Benediktinerkloster mit seiner typisch
neugotischen Ziegelfassade und dem Tongesims vorbei. Schließlich
gelangt man zur Piazza San Paolo a Ripa d'Arno mit der
gleichnamigen Kirche. Das Bauwerk wurde Anfang des 12.
Jahrhunderts rekonstruiert und später erweitert und umgestaltet.
Auffallend sind die architektonischen Ähnlichkeiten mit dem Dom,
sowohl an der Fassade mit zweifarbigen Streifungen, Blendarkaden
und drei Stockwerken mit kleinen Laufgängen als auch an den
Seitenwänden mit pfeilerartigen Mauerstreifen und Bögen. Das
Innere, das während des zweiten Weltkriegs schwere Schäden
erlitt, ist in Form einer Basilika mit drei Schiffen, Apsis und
Querhaus angeordnet. Von der ursprünglichen Freskendekoration
sind die Darstellungen von San Bartolomeo Apostolo und San
Francesco auf dem linken Pilaster erhalten, die Buonamico
Buffalmacco aus Florenz (erste Hälfte des 14. Jahrhunderts)
zugeschrieben werden, sowie das wertvolle Gemälde von Turino
Vanni, das die Madonna con Bambino e Santi (Madonna mit Kind und
Heiligen - 1396) darstellt und der große römische Sarkophag, der
als Grabmahl des Rechtsgelehrten Burgundio da Pisa (1143)
wiederverwendet wurde. Hinter der Apsis befindet sich etwas
verborgen die kleine Kapelle Sant'Agata mit achteckigem Grundriss,
giebelförmiger Kuppel und eleganten dreibogigen Fenstern. Die
Kapelle, die im 12. Jahrhundert im Inneren des Kreuzganges des
Klosters gebaut wurde, wird wegen ihrer Ähnlichkeit mit der
Kirche Santo Sepolcro dem Architekten Diotisalvi zugeschrieben.
Nach
dem mittelalterlichen Tor Porta a Mare erreicht man das andere
Ufer des Arno mit den Überresten der Festung oder Cittadella
Vecchia, die von den Florentinern in der Gegend von Tersana erbaut
wurde, in der sich die auf das 13. Jahrhundert zurückgehende
befestigte Schiffswerft befand. Von der Festung ist heute nur der
große, 1956 rekonstruierte Turm übriggeblieben, der auch Torre
Guelfa genannt wird. Am Lungarno Simonelli befand sich die
Schiffswerft der Medici: die großen Werften, in denen die Flotte
des von Cosimo I. 1562 gegründeten Ordens der Sankt
Stephansritter ausgerüstet wurde, um auch die Handelbeziehungen
im Mittelmeer vor den Einfällen der Türken zu verteidigen. Ein
paar Schritte weiter, gut erkennbar dank des kleinen Glockenturmes
der die Fassade eines Gebäudes ohne mittelalterlichen
Dekorationen beherrscht, erhebt sich die alte Kirche des Hl. Vito
(1051), die später in einen Nebengebäude des Klosters von San
Gorgonio auf der Insel Gorgona umgewandelt wurde, wo 1160 der Hl.
Ranieri, der Schutzpatron der Stadt starb. In der Nähe der Brücke
Ponte Solferino, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die
Arnopromenaden genießen kann, überquert man den Fluss und stößt
linkerhand auf die Kirche Santa Maria della Spina (Dornenkirche),
in der ein Dorn der Christuskrone aufbewahrt wurde und die ein
wunderbares Beispiel der gotischen italienischen Architektur
darstellt. Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert als Oratorium der
Hl. Maria auf dem Kiesbett des Flusses errichtet und war ursprünglich
von einem offenen Laubengang umgeben, der im 14. Jahrhundert
erweitert und mit einer reichen Dekoration aus Statuen,
Giebelfeldern, Spitztürmchen, Ädikulen und Giebeln verziert
wurde. An den Arbeiten waren die berühmtesten Künstler des 14.
Jahrhunderts beteiligt: Giovanni Pisano, der auch die Madonna mit
Kind und Engeln in der Nische an der Fassade schuf, Lupo di
Francesco, Giovanni di Balduccio sowie Andrea und Nino Pisano. Das
Bauwerk wurde 1871 demontiert und während der Erneuerungsarbeiten
der Arnopromenaden an einer höhergelegenen Stelle wiederaufgebaut.
Im Inneren der Kirche befinden sich Statuen der Madonna mit Kind
und des Hl. Petrus und Johannes des Täufers von Andrea und Nino
Pisano. Von letzterem stammt auch die Madonna del Latte (Stillende
Madonna), die heute im Museum San Matteo aufbewahrt wird.
Man
setzt den Weg am Lungarno Gambacorti fort, vorbei an weiteren
Geschlechtertürmen und der romanischen Kirche Santa Cristina, die
schon im späten Zeitalter der Langobarden existierte und im 10.
Jahrhundert (aus demselben Jahrhundert ist auch die stark
eingesunkene Apsis) und dann auch im 19. Jahrhundert rekonstruiert
wurde. In dieser Kirche empfing die Heilige Katharina von Siena
1375 ihre Stigmata. Weiter vorn befindet sich der Palazzo Mosca,
ein typisches Beispiel einer Wohnstätte der Handels- und
Finanzaristokratie, die 1302 gebaut wurde und der spätere Palazzo
Gambacorti, der von Pietro Gambacorti, der vor dem Haupteingang
des Palastes von der Gegenpartei ermordet wurde, während seiner
Herrschaft über die Stadt (1370-1392) errichtet wurde. Der Palast,
der im 15. Jahrhundert Sitz der obersten Seerechtsbehörde und des
Zolls war, beherbergt heute das Rathaus. Trotz der vielen
Umgestaltungen bewahrt der Palast noch heute seine ursprüngliche
gotische Fassade mit Blick auf den Fluss. Rechterhand des Bauwerks
liegt der Platz XX Settembre mit den Logge di Banchi (17.
Jahrhundert), die an dem Ort errichtet wurden, an dem sich im
Mittelalter die Stände und Geschäfte der Händler befanden. Über
den Lungarno Galilei gelangt man zur Kirche San Sepolcro, die sich
rechterhand an einer etwas niedrigeren Stelle befindet. Sie wurde
nach Plänen von Diotisalvi erbaut. Ursprünglich schloss sich ein
wichtiges Krankenhaus an die Kirche an, das von den
Krankenpflegern vom Hl. Johannes aus Jerusalem (die heutigen
Malteserritter) verwaltet wurde und in dem sich die Pilger unter
der Betreuung von Nonnen (unter anderem auch die Hl. Ubaldesca da
Calcinaia - 1146-1205) und Mönchen stärken konnten. Die Kirche,
die nach dem Vorbild des Felsendomes in Jerusalem auf achteckigem
Grundriss erbaut wurde, hat einen Giebel aus Ziegelsteinen und
drei schlicht dekorierte Portale.
Von
hier aus geht man zum Lungarno Galilei zurück und erblickt den
Palazzo Lanfranchi, hinter dessen Fassade aus dem 17. Jahrhundert
sich noch die Struktur der einstigen Geschlechtertürme verbirgt.
Über die Brücke der Fortezza, die im Mittelalter die Brücke von
Spina war, gelangt man zur Kirche San Matteo in Soarta. Das
Bauwerk wurde zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert erbaut und
Anfang des 17. Jahrhunderts rekonstruiert. Seine Marmorfassade
stammt aus derselben Zeit. Das Innere ist mit einer reichen
Barockdekoration im Gewölbe geschmückt, und unter den vielen Gemälden
befindet sich auch ein Kruzifix aus dem 13. Jahrhundert.
Dieser
Spaziergang endet mit der Besichtigung des Nationalmuseums San
Matteo, das wichtige Werke aus den Kirchen und religiösen
Einrichtungen der Stadt und des Umlandes ausstellt. Das Museum,
das 1949 im alten Benediktinerkloster eingerichtet wurde,
beherbergt zahlreiche Gemälde und eine Reihe bedeutender gemalter
Kruzifixe aus dem 13. Jahrhundert, an denen sich die Entwicklung
der italienischen Malerei sehr gut nachvollziehen lässt.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Flügelaltar, der Simone
Martini 1321 für die Kirche Santa Caterina ausführte. Genauso
reich ist die Sammlung an Skulpturen mit Werken von Nicola und
Giovanni Pisano, von Tino di Camaino aus Siena, Lupo di Francesco,
Andrea, Nino und Tommaso Pisano sowie Francesco di Valdambrino. In
den Sälen, die dem 15. Jahrhundert gewidmet sind, werden Werke
einiger der berühmtesten italienischen Künstler ausgestellt:
Gentile da Fabriano, Donatello, Masaccio, Beato Angelico, Domenico
Ghirlandaio und Benozzo Gozzoli. Von besonderem wissenschaftlichen
Interesse ist die Sammlung mittelalterlicher Keramik, bestehend
aus seltenen und wertvollen Majolikaschüsseln islamischer und
pisanischer Produktion, die zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert
hergestellt wurden und als bunte Dekorationen in den wichtigsten
Kirchen Pisas verwendet wurden.
Wer
noch Lust darauf hat, ein weiteres Monument des pisanischen
Mittelalters kennenzulernen, kann die Besichtigung am rechten Ufer
des Arno fortsetzen. Auf halbem Weg der schattigen Allee der
Piagge stößt man auf die im Schwemmboden etwas eingesunkene
Kirche San Michele degli Scalzi mit ihrem typischen schiefen
Glockenturm. Das Bauwerk, das ursprünglich zum Kloster der aus
Apulien stammenden Mönche Scalzi Pulsanesi gehörte, geht auf das
12. Jahrhundert zurück. Trotz der unvollendeten Fassade mit Säulenbalken
aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts, die von byzantinischen Künstlern
gemeißelt wurden, strahlt die Kirche in ihrem Inneren einen großen
Zauber aus, der noch heute zu spüren ist. Die Kirche wurde während
des letzten Weltkriegs schwer beschädigt. Im Inneren enthält sie
ein gemaltes Kruzifix aus dem 13. Jahrhundert.
Wir
wollen uns mit der Besichtigung der Basilika San Piero a Grado
verabschieden, dem vielleicht ältesten Zeugnis der christlichen
Ära in dieser Gegend, das sich ein paar Kilometer südwestlich
des Zentrums in Richtung Meer befindet. Die Kirche, die in der Nähe
der alten Anlegestelle an der Flussmündung gegründet wurde, ist
das Symbol einer Stadt, die stets dem Meer zugewandt war. Gemäß
der Überlieferung wurde das Bauwerk vom Heiligen Petrus errichtet,
der hier während einer Fahrt nach Rom 44 n. Ch. gelandet sein
soll. Der Grundriss der Kirche geht jedoch auf das 11. Jahrhundert
zurück und ruht auf den Überresten einer frühchristlichen
Basilika, die einst an dieser Stelle stand. Neben der typisch
basilikalen Anlage besitzt die Kirche drei Apsiden im Westen und
eine Apsis im Osten. Der Außenbau besteht aus Stein und wurde mit
pfeilerartigen Mauerstreifen und Bögen dekoriert, in die schöne
islamische Keramikschüsseln aus dem 11. Jahrhundert eingelassen
wurden. Im Inneren sind unter einem Altarbaldachin aus dem 14.
Jahrhundert, der auf die Stelle deutet, an der der Hl. Petrus
gepredigt haben soll, Reste der alten Basilika und eines römischen
Bauwerks zu sehen. Die Wände des Mittelschiffs wurden mit
herrlichen Fresken von Deodato Orlandi aus Lucca ausgestattet. Sie
wurden von der pisanischen Familie Caetani anlässlich des
Heiligen Jahrs 1300 in Auftrag gegeben und stellen Szenen aus dem
Leben des Hl. Petrus und Paulus sowie einige Papstporträts dar.
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