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Die
hier vorgeschlagenen Rundwege sind für jene Besucher gedacht,
die sich bei ihrem Aufenthalt in Pisa nicht nur auf die
Besichtigung des Dombezirks beschränken wollen, sondern eine
der wichtigsten mittelalterlichen Städte Italiens auch aus
anderen Blickwinkeln betrachten möchten.
Das
Mittelalter ist der Schlüssel zum Verständnis der Stadt Pisa
und ihrer Kunstwerke. Es war die Zeit ihrer größten
wirtschaftlichen, politischen und künstlerischen Blüte, aus
der uns heute noch zahlreiche Zeugnisse erhalten sind: die forma
urbis des historischen Zentrums, die vielen religiösen und bürgerlichen
Bauten, die Plätze und die typischen engen Gassen, die parallel
zum Arno, dem größten Verkehrsweg, verlaufen. Hier pulsierte
in den vergangenen Jahrhunderten, dank der zahlreichen
Anlegestellen, das Herz der Stadt. Während die
hochmittelalterliche Siedlung, deren Ausdehnung von Historikern
rekonstruiert wurde, keine Spuren hinterließ, sind heute noch
große Teile der kommunalen Stadtmauer erhalten, die ab 1154 bis
zur Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut wurde. Jahrhundertelang
verteidigte dieser Mauergürtel die Stadt vor Angriffen ihrer
Feinde und trennte sie vom Umland. Heute ist er ein Monument der
wechselvollen Geschichte der Stadt Pisa.
Pisa,
die Mündungsstadt, die an einer Lagune gegründet wurde, erfuhr
seine Wiedergeburt sowohl um den antiken römischen Kern herum,
als auch am Ufer des Arno. Nordöstlich des Flusses entstand die
Siedlung Forisportam
und an seinem linken Ufer die des
Chinzica, die zusammen mit Mezzo
und Ponte die
mittelalterlichen Stadtviertel bildeten.
Ab
dem 11. Jahrhundert verstärkte Pisa, das schon zur Römerzeit
ein wichtiger Flottenstützpunkt war, seinen Handelsverkehr im
Mittelmeer und trug dank seiner Flotte mehrere Siege über
muselmanische Städte und Schiffe davon: in Reggio Calabria
1005, auf Sardinien 1015 und 1016, in Bona in Afrika 1034, in
Palermo 1063 und in Al-Mahdĭya und Zawila im heutigen
Tunesien 1087. Die Kreuzzüge boten den Pisanern die Gelegenheit,
ihren Handelsverkehr im östlichen Mittelmeer auszudehnen, und
bald wurden an den Küsten des heutigen Libanon und Israel und
an den afrikanischen Küsten pisanische Kolonien gegründet, die
über eigene große Lagerhäuser und Faktoreien, Wohnungen und
Kirchen verfügten.
Pisa
war eine der ersten Kommunen Italiens. Im Jahr 1092 wurde seine
Diözese zum Erzbistum mit Stadtgerichtsbarkeit auf Korsika und
Sardinien erhoben. Der Erzbischof Daiberto wurde 1099 zum ersten
römisch-katholischen Patriarchen von Jerusalem gewählt.
In
den Machtkämpfen zwischen Kaiser und Papst nahm Pisa Partei für
den Kaiser und war die einzige ghibellinische Stadt in der
Toskana, die die Politik der schwäbischen Könige stützte (Friedrich
I. Barbarossa, Heinrich VI., Friedrich II., Manfred und Konradin),
so dass sie oft im Streit mit dem Papsttum lag. Als die Pisaner
eine Gruppe von Prälaten auf ihrem Weg zu einem Konzil in Rom
gefangen nahmen und an Friedrich II. auslieferten, wurde im Jahr
1241 der Kirchenbann über die Stadt verhängt.
Der
langsame Verfall Pisas begann mit der Niederlage, die seiner
Flotte im Jahr 1284 beim Felsriff Meloria vom rivalisierenden
Genua zugefügt wurde. Zirka zehntausend Pisaner landeten in
genuesischen Gefängnissen, und so wurde die pisanische
Wirtschaft schließlich in die Knie gezwungen. Nach einem kurzen
politischen und wirtschaftlichen Aufschwung, der dem Einzug von
Kaiser Heinrich VII. in Italien (1310-1313) zu verdanken war,
verlor Pisa in den darauffolgenden Jahren die Insel Sardinien,
was verheerende Auswirkungen auf die Finanzen der Kommune hatte.
In der Zwischenzeit folgten den alten Kommunen auf politischer
Ebene neue Adelsregierungen. Gleichwohl herrschte immer noch
eine starke Zuneigung zur kommunalen Ordnung, die eine größere
Freiheit garantierte, aber oft von blutigen Parteikämpfen
gekennzeichnet war.
Nach
einer kurzen Herrschaft über die rivalisierende Stadt Lucca
(1341-1368) wurde Pisa im Jahre 1406 von Florenz erobert. Das
war der Anfang einer Krise, die erst mit dem politischen
Aufstieg der Medici endete.
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